In der Volksstimme vom 16.10.2010 erschien wieder ein Artikel über unser Hobby in der Volksstimme (danke an die bördebehörde für den Tipp!). Diesmal begleitete aber kein Journalist einen Cacher bei der Suche. Es erschien ein Text von Herrn Dr. jur. Cristoph von Katte, Rechtsanwalt (Interessenschwerpunkt: Wirtschafts- und Landwirtschaftsrecht) und Inhaber eines land- und forstwirtschaftlichen Betriebes.
Dieser Artikel ist so niederschmetternd schlecht recherchiert, daß sich mir die Nackenhaare aufstellen! Dort heisst es etwa:
Schätzungen gehen von 140 000 „Schätzen“ aus, die mittlerweile im bundesdeutschen Wald auf ihre Finder warten.
Das mag ich zu bezweifeln, denn das würde heißen, daß nur 10.000 von insgesamt 150.000 Caches in Deutschland (Stand August 2010) in Stadten, Dörfern und anderen nicht bewaldeten Orten liegen.
Aber handelt es sich bei dieser neuen Sportart nicht schon um eine Art Veranstaltung im Wald?
Nein! Denn es ist keine Sportart, sondern ein Hobby und auch keine Veranstaltung. Selbige setzt nämlich einen Veranstalter voraus, den es aber nicht gibt. Jeder geht cachen wann er Lust hat – alleine oder in einer kleinen Gruppe.
Liegt eine genehmigte Lagerung von Abfällen vor?
Nein! Denn per Definition im Abfallgesetz ist Abfall u.a. nur dann, wenn “der Abfall wirklich verwertet oder beseitigt wird, oder wenn jegliche Sachherrschaft über eine Sache aufgegeben wird. Ein Entledigungswille wird gesetzlich unterstellt, wenn der ursprüngliche Zweck einer Sache aufgegeben wird, und kein unmittelbar neuer Zweck vorhanden ist.” (Quelle: wikipedia.de)
Zählt zur Erholung im Wald auch das Auslegen und Verstecken von naturfremden Gegenständen?
So lange es dazu keine richterliche Entscheidung oder ein Gesetz gibt, kann man darüber sicherlich sehr lange debattieren. Man sollte aber nicht vergessen, daß viele Caches (die auch wirklich im Wald liegen) meist auch einen “Bildungsauftrag” haben und den Wald mit allen seinen Bewohnern pflanzlicher und tierischer Natur näher bringen sollen. Wenn ich jetzt in meinem Gedächnis krame fällt mir auch spontan kein Cache ein, bei dem man im “Panzermodus” durchs Unterholz trampeln MUSS, um zum Cache zu kommen. Zudem achten die Reviewer auch darauf, daß Geocaches in Naturschutzgebieten so platziert werden, daß Wege nicht verlassen werden müssen.
Handelt es sich um einen Familienspaziergang oder um eine Veranstaltung?
Es handelt sich um Geocaching – ein Hobby! Man kann schlecht ein Spiel, welches weltweit seit 10 Jahren gespielt wird, als Veranstaltung bezeichnen.
Was mich immer wieder den Kopf schütteln lässt, ist die Tatsache, daß der gemeine Waldbesitzer scheinbar überhaupt nicht an einem Kompromiss – oder wenigstens an einem Gespräch interessiert ist. Hier lässt ein Jurist in einer Tageszeitung unser Hobby in einem ganz schlechten Licht erscheinen – unter anderem durch falsche Tatsachen und schlechte Recherche. Erst kürzlich berichtete mir ein befreundeter Cacher davon, daß er von einem Anwalt, der die Interessen eines Waldbesitzers vertritt, über geocaching.com kontaktiert wurde. Im allerfeinsten Juristendeutsch wurde er aufgefordert seinen Cache aus dem Wald zu entfernen. Mein Freund kam dieser Aufforderung nach, nicht aus Angst vor rechtlichen Schritten, sondern weil es ein Spiel ist und Spiele Spass machen sollen. Sich mit Grundbesitzern rumärgern, die gleich ihre Anwälte loshetzen gehört definitiv nicht in die Kategorie “Hobby & Spass”. Auch in diesem Fall signalisierte der Waldbesitzer keine Gesprächsbereitschaft.
Ich habe einen Versuch gestartet, mit Herrn Dr. von Katte in den Dialog zu kommen, mal sehen ob das klappt.
Tags: Anwalt, Medien, Presse, Volksstimme, Waldbesitzer, Zeitung